Road Bike Spring Essentials: Canyon Disruptr CFR Helm im Test

Neue Saison, neue Ausrüstung. Im Rahmen meiner Road Bike Spring Essentials nehme ich dieses Jahr Stück für Stück die Teile unter die Lupe, die mich auf dem Rad begleiten. Den Auftakt macht ein Helm, der auf den ersten Blick polarisiert – und nach rund 1.000 Kilometern mein klares Urteil verdient hat.

© Canyon

Was steckt dahinter?

Der Canyon Disruptr CFR ist Canyons Einstieg in die eigene Helmsparte – und die Marke hat dabei direkt oben angefangen. Entwickelt und getestet zusammen mit den Pro-Athleten des Canyon Factory Racing Teams, positioniert sich der Disruptr CFR als All-Rounder für Road und Gravel auf höchstem Niveau.

Technisch bringt er einiges mit: MIPS Air Node Technologie schützt vor rotationsbedingten Kräften im Falle eines Sturzes – ohne Abstriche bei Belüftung, Komfort und Passform. Dazu ein windkanaltestetes Belüftungssystem, das laut Canyon 8,5 Prozent kühler ist als vergleichbare Helme der Konkurrenz. Hinten ist ein magnetischer Halter für ein Rücklicht integriert – das Licht selbst ist allerdings separat erhältlich.

Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal ist jedoch das HighBar System – ein starres Kinnbügel-Verschlusssystem, das den klassischen Stoffriemen ersetzt. Es soll nicht nur optimalen Halt gewährleisten, sondern auch Aerodynamik verbessern und durch seine festen Arme Windgeräusche und Wärmeentwicklung reduzieren, die bei herkömmlichen Stoffstraps entstehen können.

Erste Begegnung: Gewöhnungsbedürftig

Ich wäre nicht ehrlich, wenn ich sagen würde, dass ich den Helm beim ersten Anlegen sofort geliebt habe. Das HighBar System ist anders. Nicht schlechter – aber eben anders. Wer zum ersten Mal vor dem Spiegel steht und den Kinnbügel schließt, versteht den Vergleich mit einem Football-Helm sofort. Es braucht ein paar Ausfahrten, bis die Handgriffe sitzen und das Anlegen zur Routine wird.

Danach ist es aber wirklich sehr komfortabel. Der mikrojustierbare Drehregler lässt sich problemlos einhändig während der Fahrt justieren – ein Detail, das im Alltag mehr wert ist als es klingt. Kein Fummelkram, kein Anhalten. Einmal kurz nachgestellt, passt der Sitz wieder perfekt.

Und wer schon mal an einem langen Anstieg unterwegs war, kennt das Bild: Irgendwann öffnen die ersten den Kinnriemen. Der Atem geht schwerer, es wird warm, der Riemen fühlt sich auf einmal zu eng an. Beim HighBar gehört das der Geschichte an. Der starre Bügel sitzt anders als ein Stoffstrap – gefühlt schwitzt man darunter deutlich weniger, und das enge, klebrige Gefühl bei Belastung bleibt einfach aus. Für mich einer der unterschätzten Vorteile des Systems.

Nach 1.000 Kilometern: Das Fazit

Ich bin den Disruptr CFR inzwischen rund 1.000 Kilometer gefahren – bei verschiedenen Bedingungen, langen Ausfahrten und warmen Temperaturen. Und ich bin sehr zufrieden.

Die Belüftung ist top. Man merkt auf langen Anstiegen oder bei Hitze, dass hier wirklich konsequent durchgedacht wurde. Kein unangenehmes Hitzestau-Gefühl, der Kopf bleibt erstaunlich frisch.

Die Optik gefällt mir wirklich sehr gut. Die matte Oberfläche, das subtile CFR-Branding, die cleane Formensprache – das ist ein Helm, der am Bike einfach gut aussieht. Allerdings sei gesagt: Der Disruptr CFR baut verhältnismäßig breit. Wer einen schlanken, kompakten Helmkopf bevorzugt, sollte ihn vor dem Kauf unbedingt anprobieren.

Die Brillenfrage – beantwortet, bevor sie gestellt wird

Wer Rennrad fährt, kennt die ewige Diskussion: Brillenbügel über oder unter dem Helmstrap? Beim Canyon Disruptr CFR stellt sich diese Frage übrigens gar nicht erst – denn hier passen die Bügel nur unter den HighBar. Kein Abwägen, kein Experimentieren. Einfach drunter. Für mich kein Problem, es sollte aber bekannt sein.

Der kleine Haken: Knochenschallkopfhörer

Ich fahre ab und an mit Shokz Knochenschallkopfhörern – und hier gibt es einen Punkt, den ich nicht verschweigen möchte. Die Bedienung der Kopfhörer über deren Knöpfe ist mit dem HighBar Kinnbügel nur schwer möglich, da der Bügel direkt über die Hörer verläuft. Das verändert auch den Klang leicht.

In der Praxis ist das für mich kein großes Problem, da ich die Musikwiedergabe ohnehin über meinen Wahoo steuere. Wer das aber manuell am Kopfhörer regeln will, sollte das im Hinterkopf behalten.

Fazit

Der Canyon Disruptr CFR ist kein Helm für jeden – aber ein sehr guter Helm für die, die sich auf ihn einlassen. Die Eingewöhnungsphase beim HighBar System ist real, aber überschaubar. Wer sie hinter sich hat, bekommt einen Helm mit exzellenter Belüftung, starkem Sicherheitspaket und einer Optik, die auf dem Bike wirklich etwas hermacht. Und wer einmal erlebt hat, wie entspannt ein langer Anstieg ohne einengenden Kinnriemen ist, will nicht mehr zurück.

Für meine Mallorca-Runde und die langen Trainingseinheiten Richtung Berlin Marathon ist er jedenfalls gesetzt.

Specs auf einen Blick: Gewicht ca. 305 g (Größe M) · MIPS Air Node · HighBar Verschlusssystem · Integrierter Rücklichthalter (Licht separat) · Erhältlich in Grau, Schwarz und Weiß · Preis: 199,95 €

Thomy