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Wutanfälle und wie wir sie meistern

Hallo ihr Lieben, 

wer kennt sie nicht, die kleinen Wutanfälle? Wobei die Beschreibung „klein“ solche Situationen mehr als schlecht umschreibt. Wutanfälle sehen bei unserem #supergirlminou eigentlich immer gleich aus. Zunächst gibt es einen Auslöser, ob das die Windel ist, die sie ausziehen soll, der falsche Apfel aus dem Regal, die Nudeln, die vor dem Essen halt noch gekocht werden müssen oder aber irgendwas, von dem ich keine Ahnung habe. Diese Liste könnte ich unendlich weiterführen;-). Solche kleinen Situationen sind der Anlass, dass unsere kleine Minou zunächst ganz still wird, mit einem verstohlenen Blick ins Leere schaut, ihr dann langsam die süßen Gesichtszüge entgleiten und sie zu einem „Wutbürger“ mutiert. Die ersten Tränen sammeln sich in den Augen, die erste Träne rollt, sie holt tief Luft, vergisst das Atmen für gefühlte 10 Minuten und die ganze angestaute Wut entlädt sich dann in einem lauten und andauernden Schreien. Die Tränchen fließen wie eine Flut die Wangen herunter und um dem ganzen Szenario noch etwas mehr Nachdruck zu verleihen, lässt die Kleine sich auf die Knie fallen, vergräbt ihr Gesicht in ihren kleinen Händchen, um sich als Krönung langsam hinzulegen und mit dem Gesicht nach unten ganz platt auf dem Boden niederzulassen.

Doch Stopp…

Wie schon bei meinem letzten Artikel zum Thema „Milchfreie Nächte??? - Yes we can!!!“ (noch nicht gelesen? - dann geht es hier zum Artikel) möchte ich vorweg kurz wieder sagen, dass ihr bei uns an der falschen Adresse seid, wenn ihr denkt, dass ich euch eine Musterlösung für solche Momente geben kann. Ich werde mich hüten, euch zu sagen, tut dies oder jenes, vielmehr zeige ich euch den Weg auf, den wir versuchen mit Minou zu gehen. Jeder von euch kann dann wieder ganz alleine entscheiden, ob dieser Weg etwas für ihn oder sie ist oder eben nicht. 

Warum ich das so handhabe? Ganz einfach, wir verstehen uns nicht als „Kinderratgeber“, oder Missionare, noch sind wir auf einem Kreuzzug unter dem Titel „Bessere Eltern sein“. Wir möchten euch einfach aus unserem Leben berichten zu Themen, die uns bewegen. Wenn der ein oder andere von euch dann sagt, das inspiriert mich und ich versuche es, dann freut es uns umso mehr. 

Zurück zum Thema.

Ich muss zugeben, diese Wutanfälle kannte ich nicht von unserer Tochter und ich dachte mir: Wo kommen die bloß her? Sie haben sich auch nicht angekündigt, sondern waren einfach da, vom einen auf den anderen Tag. Ich war komplett unvorbereitet und die ersten Wutanfälle haben mich komplett überfordert. Wer fühlt sich da nicht hilflos?

Ich hab mich dann gefragt, wann passieren sie? Kann ich da ein Muster erkennen? 

Schnell bin ich zu der Erkenntnis gelangt: kein Muster. Ich kann sie nicht vorhersehen, sie passieren einfach.

Ich habe dann angefangen, Minou genau zu beobachten, ich habe einfach noch genauer hingeschaut. In Momenten, als ich mal wieder ihre geliebten Nudeln gekocht habe und wieder ein Wutanfall kam, habe ich bemerkt, dass die kleine Maus es nicht verstanden hat, wieso ich das tue.

Also habe ich mich zuerst „größentechnich“ auf ihre Ebene begeben und versucht, ihr auf „Augenhöhe“ zu erklären (ich weiß klingt komisch, aber ja ich lag auf dem Boden, neben meinem schreienden Kind) was genau ich mache und dass wir die Nudeln erst nach dem Kochen essen können.

Das war nur mäßig von Erfolg gekrönt, aber auf jeden Fall schon besser, als einfach nix zu tun.  Also bin ich einen Schritt weiter gegangen und habe versucht, ihr einen Ausweg aus der Situation aufzuzeigen, in dem ich ihr ihren „Learning-Tower“ mit an die Arbeitsplatte gestellt habe und mit ihr gemeinsam die Nudeln gekocht habe. Diese Situation habe ich dadurch schnell entschärft und es flossen keine Tränen mehr.

In der letzten Zeit hat Minou die Angewohnheit, dass sie sich am Abend nicht mehr „bettfertig - Klamotten aus, waschen, Zähne putzen und Schlafanzug an“ machen möchte. Es endete lang immer in einem schweren und vor allem lauten Wutanfall und ich wollte bestimmt nicht meinen Willen Ihrem Willen aufzwingen, also haben wir gemeinsam einen Weg gefunden. Eigentlich ein ganz einfacher Weg, denn nichts mag Minou so gern wie „nackig“ durch die Wohnung zu flitzen und fangen zu spielen. Also ist das unser Abendritual geworden - und nein, ich laufe nicht nackig durch die Wohnung, nur die Kleine - aber wenn es jetzt darum geht, sie bettfertig zu machen, gibt es nur noch Jubelstürme der Kleinen. Nach ein paar Runden fangen spielen um den Küchenblock, zieht sie dann auch gerne ihren Schlafanzug an und wir können beruhigt ins Bett gehen.

So versuche ich in jeder Wutsituation, die kommt, meiner Kleinen eine Alternative zu bieten, die sie auch möchte. Und ja, aktuell fahren wir sehr gut mit der Strategie. 

Natürlich kommt es immer mal wieder zu Situationen, wo es fast nicht möglich ist, eine Alternative zu bieten, doch wenn man genau überlegt, findet man eigentlich immer irgendeinen Weg.

Klar sagt ihr jetzt: zu Hause ist das ja ganz schön, doch was soll ich denn beispielsweise mit meinem Kind im Supermarkt machen, wenn es der Meinung ist, das komplette LEGO - Sortiment aus den Regalen zu räumen? Auch da finden sich Alternativen. Minou beispielsweise liebt es, die Artikel aus dem Einkaufswagen an der Kasse auf das Band zu werfen (ja ich meine werfen) und mit der Aussicht im Anschluss auch noch bezahlen zu dürfen, kommen wir schnell aus der Spielwarenabteilung wieder raus. Vorher endete das eher mit einem schreienden Kind auf meinem Arm und ich erntete entsetzte Blicke. 

Ich bin mir bewusst, dass es nicht in jeder Situation funktioniert, doch schaffen wir es momentan so, alles auf ein Minimum zu reduzieren.

Was ich getan habe, kurz zusammengefasst:

    - ich habe Minou genau beobachtet

    - ich gehe auf Augenhöhe zu Minou

    - ich versuche Minou die Situation zu erklären, warum ich was tue

    - ich schaffe einen Ausweg für Minou, den sie möchte

    - ich tröste mein Kind

    - ich schreie niemals

Minou hat solche Wutanfälle seitdem viel seltener und ich bin davon überzeugt, dass ich ihr so die größtmögliche Unterstützung auf ihrem Weg bin. Denn schließlich möchte ich ein selbstbewusstes, weltoffenes, neugieriges, schlaues Mädchen großziehen.

Einen hab ich noch. Vor ein paar Wochen wollte Minou ihr T-Shirt partout nicht ausziehen, bevor es ins Planschbecken ging. Also habe ich nicht weiter versucht, mit ihr darüber zu diskutieren, sondern ihr einfach diese Entscheidung gelassen. Die Kleine ist in das Planschbecken, hat das T-Shirt komplett nass gemacht und hat gemerkt, dass es unangenehm ist. Dann durfte ich es ihr ausziehen und habe ihr erklärt, dass ich genau diese unbehagliche Situation (nasses, klebriges T-shirt) ersparen wollte.

Ende gut alles gut. Manche Entscheidungen muss man eventuell auch den Kleinen überlassen, auch wenn man selbst von der Richtigkeit nicht überzeugt ist. 

Ich hoffe, ich konnte euch „meinen Weg“ ein wenig näher bringen.

Bis bald 

Euer Bo